Die Sommerpause ist beendet. Somit findet heute unsere fünfte und vorletzte Tour mit den Radlerinnen und Radlern des Weißenthurmer „BürgerSTÜTZPUNKT+“ statt. Nachdem uns unsere letzte Tour zum Karmelenberg doch einiges an Kondition abverlangt hatte, erwartet uns heute eine etwa 20 km lange Flachetappe, die ausser einem winzigen Anstieg und einem kleinen Schotterstück keine Schwierigkeiten aufweist.
Unser Ziel: das Kurfürstliche Schloss in Engers.
Unterwegs gibt es einiges zu sehen. Allerdings sind die Ausführungen hier teilweise nachträglich recherchiert und einige Bilder stammen möglicherweise von früheren Touren. Das Fotografieren beim Radfahren bedingt leider, immer wieder anzuhalten, was in einer Gruppe besonders schwierig ist. Da der Focus unserer Touren auf der Bewegung liegt, kommen Sehenswürdigkeiten leider ein wenig zu kurz. Deshalb geben wir hier für alle, die es interessiert, noch ergänzende Informationen. Wie immer sind die unterstrichenen Begriffe verlinkt – einfach draufklicken und schon sprudelt es Wissenswertes.
Wir treffen uns also um 13 Uhr wie üblich an der Weißenthurmer Rheinpromenade. Die Teilnehmerzahl ist heute mit vier Personen überschaubar, so daß wir insgesamt zu sechst sind. Das Wetter ist auf unserer Seite, trocken, ein wenig windig vielleicht, und am Nachmittag sollen es 28 Grad werden.
Auf geht’s! Die Becherstraße hinauf, an der Ampel rechts auf die Hauptstraße und auf dem Radstreifen Richtung Raiffeisenbrücke. Am Ende des Radstreifens müssen wir auf die Straße, denn der Radweg, der früher mit dem Fußweg kombiniert war, wurde entwidmet und ist somit für Radfahrer nicht mehr gestattet. So ist es auch auf der gegenüberliegenden Seite, was uns auf dem Rückweg auf die Straße zwingen wird.
Über die Brücke gelangen wir nach Neuwied, wo wir die Engerser Straße, die neuerdings Fahrradstraße ist, überqueren und auf dem Rad/Fußweg, der entlang des REWE-Marktes verläuft, gelangen wir zum Sandkauler Weg. Hier biegen wir rechts ab. Auch hier verläuft der Radweg parallel mit dem Fußweg, so dass wir ein wenig achtgeben müssen, zumal es ein paar Engstellen gibt und Fußgänger häufig mit ihrem Handy beschäftigt sind.
Nachdem wir die Germaniastraße überquert haben, gelangen wir zum gleichnamigen Sportplatz, der gerade aufwändig umgestaltet wird. Hier entsteht ein attraktiver Bewegungspark für Jung und Alt. Besonderes Highlight ist ein sogenannter Pumptrack, ein welliger Parcours für z.B. BMX-Räder, Skateboards, Inliner o.ä. (wir mussten den Begriff auch erst googeln). Die Schrebergärtner gleich nebenan wird’s vielleicht nicht begeistern.
Ein Stück weiter unterqueren wir die B256, überqueren die Rheinstraße und gelangen auf den Rad- und Fußweg entlang der Feuerwehr. Am SWN-Gebäude biegen wir rechts ab in die Hafenstraße und gelangen zum Parkplatz und zum Aussichtspunkt am SWN-See, einem Baggersee inmitten des Schutzgebietes Engerser Feld.


Der See hat, wie auch der Rhein, extrem wenig Wasser, so dass sich kleine Inseln gebildet haben, die von diversen Wasservögeln geentert wurden. Auch das Ufer ist von Gänsen gesäumt und einige der Heckrinder, die im Engerser Feld als Landschaftspfleger tätig sind, chillen am Ufer.
Nach einem kurzen Blick von der Aussichtsplattform biegen wir links ab um das Rindergehege herum und gelangen ans Rheinufer, dem wir autofrei bis zu unserem Ziel folgen werden. Wir befinden uns jetzt auf dem Deichstadtweg, einem Wanderweg, der mit 26 Informationstafeln die Möglichkeit bietet, historische Spuren der Stadt Neuwied zu erkunden.
Unterwegs können wir einen Blick auf das gegenüberliegende ehemalige AKW Mülheim-Kärlich, das Schutzgebiet Urmitzer Werth und die Orte Urmitz und Kaltenengers werfen, die allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die ja in dieser Umgebung leben, hinreichend bekannt sein dürften.
Der Rhein führt seit Monaten erschreckend wenig Wasser, so dass die Schifffahrt erheblich eingeschränkt ist. Nach der langen Dürre ist die gesamte Ufervegetation verdorrt und vertrocknet, und der Sturm von zwei oder drei Wochen hat erhebliche Schäden angerichtet. Überall müssen wir umgestürzte Bäume oder abgebrochene Äste sehen. Und diesseits des Urmitzer Werths ist das Flussbett komplett ausgetrocknet und nachdem es vor einigen Wochen aussah wie Wüste, mutet es jetzt an wie eine Wiese (das linke Bild wurde im Juli d.J. erstellt).


Wir passieren die Urmitzer Brücke. Sie wurde im ersten Weltkrieg baugleich mit der Remagener Eisenbahnbrücke als Kronprinz-Wilhelm-Brücke errichtet und am Ende des zweiten Weltkrieges gesprengt, um die Querung der anrückenden amerikanischen Truppen zum rechten Rheinufer zu verhindern. Leider befanden sich während der Sprengung hunderte von flüchtenden deutschen Soldaten auf der Brücke. Ihre Zahl konnte nie geklärt werden.
Auf dem neuen wunderbaren Radweg erreichen wir entlang der Engerser Stadtmauer den grauen Turm, dem Überbleibsel der ehemaligen Burg Kunostein, die 1371 vom Trierer Erzbischof Kuno von Falkenstein erbaut wurde und zeitweise als Zollburg diente.
Und bald gelangen wir an die Rückseite des Engerser Schlosses. Direkt am Rheinufer gelegen, wurde es zwischen 1759 und 1764 vom Trierer Erzbischof und Kurfürst Johann Philipp von Walderdorff, der auch das Kurfürstliche Palais in Trier errichten ließ, als als Jagd-, Lust- und Sommerschloss erbaut und beheimatet heute die Geschäftsstelle der Landesstiftung Villa Musica, einen Museumsbereich mit alten Musikinstrumenten und Gemälden kurtierischer Fürsten sowie Probe- und Verwaltungsräume der Landesmusikakademie Rheinland-Pfalz.
Johann Philipp von Walderdorff verwarf seinen ursprünglichen Plan, die Burg zu modernisieren, ließ sie abreißen und beauftragte den Architekten Johannes Seiz, Meisterschüler Balthasar Neumanns, mit der Planung des neuen Schlosses.

An dieser Stelle sei noch auf einen interessanten Spazierweg hingewiesen, den Mauerpfad, der entlang der Stadtmauer zu diversen Sehenswürdigkeiten führt.

Doch wir fahren weiter durch die wunderschöne Platanenallee, der der Sturm offenbar nicht so viel anhaben konnte. Hinter der Rheinkapelle, von der von unserem Weg aus die oberhalb liegenden Schlussmauer zu sehen ist, biegen wir scharf links ab und müssen hier nun das einzige Steilstückchen unserer Tour überwinden. Mit unseren Pedelecs ist das natürlich kein Problem, führt aber dazu, dass wir, um die Steigung zu überwinden, an der Vorderseite der Kapelle vorbeifahren.


Durch die Klosterstraße gelangen wir nun zu unserem Ziel, dem Kurfürstlichen Schloss und stehen vor der Front des prächtigen Bauwerkes. Leider können wir nicht hinein, denn die historischen Räume können nur an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden.
Gleich vor dem Schlosstor befindet sich eine Eisdiele, die unsere Aufmerksamkeit weckt. Da wir eine Einkehr ein paar Meter weiter im „Heinrich’s“, der Gastronomie des Heinrich-Hauses vorgesehen haben, scheiden sich hier die Geister, aber wir treffen uns natürlich vor der Weiterfahrt wieder.
Das Heinrich-Haus liegt oberhalb des Rheinufers. Von hier aus kann man auch auf den Mauerpfad und den grauen Turm gelangen und hat einen schönen Blick auf den Rhein.
Im Außenbereich des „Heinrich’s“ genießen wir das schöne Wetter, Cappuccino, Stachelbeerbaiser und dicke Eisbecher. Gut gestärkt geht es dann weiter. Zunächst durch eine Siedlung, dann entlang des Deiches und schließlich durch freies Feld sowie einem Stück Schotterstrecke gelangen wir zum Kannsee, zum Reiler Pütz und zum ehemaligen Kunstpark Silbersee.
Der Kannsee ist eine ehemalige Kiesgrube und Trinkwasserschutzgebiet. Er versorgt große Teile Neuwieds. Baden, Lagern, Angeln und sonstige Aktivitäten sind hier strengstens verboten.
Der Reiler Pütz ist einziges Überbleibsel des ehemaligen Dorfes Reil, das erste schriftliche Erwähnung im Jahr 1252 fand. Bedeutung erlangte das Dorf Reil (oder Reul) bzw. der Reiler Hof durch das Brauchtum der Heddesdorfer Pfingstreiter.



Doch auch traurige Berühmtheit erlangte der kleine Brunnen. Hier wurde 1941 der zwanzigjährige polnische Fremdarbeiter Franciszek Matczak kurz vor seinem 21. Geburtstag auf grausame Weise hingerichtet. Sein angebliches Vergehen: Er hatte sich mit einer jungen deutschen Frau angefreundet. Ein Stolperstein erinnert an sein Schicksal.
Diese Geschichte zu lesen, macht uns ungeheuer betroffen und fassungslos, und wir sollten alles dafür tun, dass unser Land derartige Zeiten nie wieder erleben muss.
Ein Stück weiter liegt der Silbersee. Der Naturpark ist ein privat gestaltetes Naherholungsgebiet an einer ehemaligen Kiesgrube, das leider inzwischen geschlossen wurde. Das eingezäunte Privatgelände wurde über Jahrzehnte vom Künstler Werner Scheidweiler liebevoll mit Kunstwerken, Skulpturen, Grotten und Schutzhütten renaturiert und war nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel, sondern bot auch Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. So wie es aussieht, ist diese Märchenwelt leider heute mehr oder weniger dem Verfall überlassen.

Wir fahren weiter, vorbei am Steinsee und gelangen auf die Panzerstraße und die andere Seite des Rindergeheges, wo es eine weitere Aussichtsplattform gibt. Allerdings lassen die Tiere sich nicht blicken und so fahren wir weiter (die Fotos sind von einer früheren Tour). Wir überqueren die Hafenstraße und nehmen nun wieder den Radweg entlang der Feuerwehr. Die Rheinstraße überqueren wir nun allerdings nicht, sondern biegen auf dem Radweg links ab.


Vorbei an der Einfahrt zum Yachthafen folgen wir der Rheinstraße durch ein Industriegebiet, eine Siedlung und gelangen schließlich wieder auf die Raiffeisenbrücke und zurück nach Weißenthurm. Ein schöner entspannter Ausflug liegt hinter uns.
Wir danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, dass sie dabei waren und verabschieden uns. Vorher weisen noch kurz auf die Abschlusstour am 22. September hin. Wir planen eine Tagestour, bei der wir mit dem Vulkanexpress von Brohl-Lützing aus nach Engeln fahren werden und dann unter anderem über den Gänsehals und den Laacher See wieder an den Rhein. Wir hoffen auf gutes Wetter und rege Beteiligung.
