Heute wollen wir es noch einmal wagen: Eine lange Tagestour, wohl die längste in diesem Jahr – 96 km mit einigen Höhenmetern. Es ist der 3. Oktober, Tag der deutschen Einheit, und wunderbares Spätsommer- oder Frühherbstwetter angesagt. Das wollen wir nutzen, denn sicher werden wir in dieser Saison kaum noch so lange Touren fahren können.
Noch hält die Sonne sich bedeckt, es ist neblig und recht frisch, so dass wir bei der Kleidung wieder auf unser bewährtes Zwiebelsystem zurückgreifen. Insofern ist es auch kein Problem, dass wir doch erst gegen 11:00 Uhr loskommen.
Auf der üblichen Strecke geht es zunächst nach Weißenthurm. Im ausgetrockneten Flussbett in Engers sitzen wieder die Gänse und im Engerser Feld lassen sich tatsächlich Pferde und Rinder sehen. Nur wenige Menschen sind unterwegs, die meisten mit ihren Hunden.
Über die Raiffeisen-Brücke fahren wir nach Weißenthurm. Dann geht es bergauf, über Kettig und vorbei an Streuobstwiesen und bei Bassenheim auf den Maifeld-Radweg.
Basis für den Radweg sind die stillgelegten Bahnstrecken Koblenz-Lützel – Polch – Mayen-Ost (34 km) und Polch – Münstermaifeld (10 km). Die Steigungen sind gering, und man fährt hier wirklich ein bisschen wie auf Schienen.
Kurz hinter Bassenheim stoßen wir also auf die Strecke und vorbei an der Grube Schweinskopf/Karmelenberg. An der auf ein Alter von 300.000 bis 350.000 Jahre geschätzten Karmelenberg-Vulkangruppe werden wohl schon seit Jahrhunderten Schlacken und Basalte abgebaut. Das Grubenfeld „Schweinskopf“ wird heute noch betrieben, wogegen der Schlackenkegel des Karmelenbergs unter Naturschutz steht.

Bald erreichen wir den alten Bahnhof Ochtendung. Das ehemaligen Bahnhofsgebäude ist fein herausgeputzt und beherbergt heute ein gemütliches Restaurant mit Biergarten. Obwohl Feiertag und schon beinahe Mittag ist, hält sich der Betrieb in Grenzen. Es ist wohl noch zu kühl.
Weiter geht’s Richtung Polch. Der „Alte Bahnhof“ hat nach längerem Leerstand seit März diesen Jahres einen neuen Pächter, der in Köln das Traditionsbrauhaus „Zum Marienbildchen – Leev Marie“ betreibt. Der „Alte Bahnhof“ heißt jetzt ebenfalls „Leev Marie“ und hat bisher durchaus positive Bewertungen erhalten. Angeblich werden hier die besten Schnitzel der Eifel vom Eifel-Freilandschwein und handgeklopft angeboten. Wer mag, kann’s probieren, aber wir fahren weiter.
In Polch gabelt sich der Maifeld-Radweg und führt entweder nach Mayen oder nach Münstermaifeld. Da wir ja an die Mosel wollen, nehmen wir letzteren.



Direkt an der Stiftskirche in Münstermaifeld legen wir unsere Mittagsrast ein und verzehren unser mitgebrachten Brote. Während Robert es sich auf einer Bank unter einem großen Baum gemütlich macht, erkundet Ingrid ein wenig die Kirche.


Bei dem etwa aus dem 12. bis 13. Jahrhundert stammenden Kirchenbau wird derzeit die Fassade saniert, doch innen kann sie durchaus mit einigen Kostbarkeiten aufwarten.





Ausgeruht geht es nun bergab. Der anstrengendste Teil der Strecke liegt hinter uns.

Vorbei am 1893 erbauten Wasserturm fahren wir zunächst durch freies Feld mit wunderbaren Ausblicken, vorbei am Örtchen Metternich und tauchen dann ein ins malerische Schrumpftal mit seinen 15 Mühlen. Manche befinden sich im Dornröschenschlaf, andere wurden liebevoll renoviert und dienen als Wohn- oder Ferienhäuser.


Der gut asphaltierte Weg schlängelt sich so rasant bergab und eine Mühle folgt der anderen, dass wir gar nicht zum Fotografieren kommen. Wer also mehr über die einzelnen Mühlen wissen möchte, auf der eigenen Website des Schrumpftals sind sie ausführlich beschrieben.
Nach kurvenreichem „Ritt“ erreichen wir bald die Mosel und Hatzenport mit seinem alten Fährturm. Hier wird bereits seit dem 13. Jahrhundert Weinbau betrieben.

Wir halten uns nicht auf, lassen Hatzenport hinter uns und gelangen zu den Orten Löf und Kattenes. Von der gegenüberliegenden Moselseite grüßt uns hoch über Alken die Burg Thurant mit ihren beiden Bergfrieden.

Nach einer Weile erreichen wir das Schloss von der Leyen in Kobern-Gondorf. Obwohl es recht nah an der Mosel liegt, wird es auch als Gondorfer Oberburg bezeichnet. Es ist das einzige Wasserschloss an der Mosel und wurde früher von einem Wassergraben umgeben.

Als Stammsitz der reichen Fürsten von der Leyen (die nichts mit der Europäischen Kommissionspräsidentin zu tun haben) wurde das Schloss im 12. Jahrhundert erbaut. Bahn, Bundesstraße und Radweg führen kurioserweise geradewegs hindurch.
Noch einmal ist ein Päuschen angesagt. Am Marktplatz im Ortsteil Kobern gönnen wir uns im „Winzerhaus am Brunnen“ zwei Cappuccino und Crêpes mit Apfelfüllung. Da das Wetter inzwischen sommerlich warm und sonnig geworden ist, ist hier allerhand los, aber wir finden einen Platz.

Gestärkt geht es weiter moselabwärts – Dieblich, Winningen, Lay, Güls und in Metternich über die Brücke, dann weiter entlang des rechten Moselufers, vorbei an der Staustufe und dem Mosellum zum Peter-Altmeier-Ufer.
Kurz vor dem Deutschen Eck biegen wir ab und fahren durch die Altstadt, über die Casinostraße (die Koblenzer Fahrradstraße) Richtung Pfaffendorfer Brücke und dann rechtsrheinisch auf bekanntem Weg über Ehrenbreitstein, Urbar und Vallendar nach Hause.
Eine schöne Tour liegt hinter uns, und wir sind gar nicht so müde wie befürchtet.
