Von Weißenthurm mit dem Vulkanexpress nach Engeln und zum Kloster Maria Laach

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Heute findet unsere diesjährige Abschlusstour mit den Radlerinnen und Radlern des Weißenthurmer „BürgerSTÜTZPUNKT+“ statt. Aus diesem besonderem Anlass haben wir eine Tagestour geplant, was für uns heißt: früh aufstehen. Wir treffen uns schon um 8:30 Uhr am gewohnten Platz am Rheinufer, zu dem wir erst einmal gute 12 km zu strampeln haben. Wir wollen mit dem Vulkan-Express hoch in die Eifel nach Engeln fahren. Der Zug geht um 10:15 Uhr und ist erfahrungsgemäß, ganz im Gegensatz zur Deutschen Bahn, pünktlich.

Wir machen uns also auf den Weg, zunächst nach Weißenthurm. Es ist ganz schön frisch heute Morgen, nur 8°C, und ein leichter Dunst liegt über dem Rhein. Wir ziehen uns nach Zwiebelprinzip an, denn tagsüber soll es sonnig und angenehm werden.

Am Engerser Rheinufer haben wir den Sonnenaufgang im Rücken. Er spendet ein schönes Licht. Es herrscht eine friedliche Atmosphäre, und nur wenige Menschen sind unterwegs. Auf den durch das Niedrigwasser inzwischen grün bewachsenen Flächen zwischen Urmitzer Werth und dem Engerser Ufer sitzt eine Schar Gänse, die hier offenbar eine reiche Futterquelle entdeckt hat. Am Engerser Feld sind einige Fasane unterwegs und auch die Rinder sind schon munter. Es ist so eine schöne Stimmung, dass wir ein bisschen bedauern, nicht öfter so früh unterwegs zu sein.

Pünktlich treffen wir an der Weißenthurmer Rheinpromenade ein. Nina, die Leiterin des „BürgerSTÜTZPUNKT+“, die mit viel Herzblut diese und weitere Angebote der Verbandsgemeinde organisiert, ist heute erfreulicherweise mit dabei und die Erste am Treffpunkt. Sie hat schon ein schönes Foto vom Sonnenaufgang gemacht.

Nach und nach trudeln auch alle anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein. Heute sind wir insgesamt neun Personen – perfekt!

Alle sind schon einmal mit uns auf Tour gewesen und kennen sich im Prinzip mit dem Fahren in der Gruppe aus. Dennoch gibt Robert nach offizieller Begrüßung und kurzer Wegerläuterung zur Erinnerung noch ein paar Hinweise.

Dann geht es aber los:

Wir bleiben zunächst bis zum Andernacher Hafen am Rheinufer. Nach kurzer Fahrt durch das Hafengebiet gelangen wir an die schöne Rheinpromenade, die wir aber schnell wieder verlassen müssen. Der Radweg zur Brohltalbahn führt hier vom Ufer weg, eine kleine Steigung hinauf. Hier müssen wir unsere Räder aus Sicherheitsgründen schieben, es ist eng und es könnte zu Konflikten mit Gegenverkehr kommen.

An der Burg Namedy legen wir einen kurzen Stopp ein – noch einen Schluck Wasser und ein paar Fotos. Die Burg, eine ehemalige Wasserburg aus dem 14. Jahrhundert, wurde zu einem Schloss umgebaut, ist heute im Privatbesitz der Familie Hohenzollern und wird häufig für Veranstaltungen genutzt.

Wir fahren weiter, müssen aber noch einmal absteigen und schiebend die Bahn unterqueren. Dann, vorbei am Bahnhof Brohl-Lützing, gelangen wir zunächst über die Brücke zu den Gleisen der Brohltalbahn. Hier steht unser Vulkan-Express schon bereit.

Die Brohltalbahn ist eine eingleisige Schmalspurbahn, die zwischen Brohl und Engeln in der Eifel auf einer Strecke von knapp 20 km als Touristikbahn „Vulkan-Express“ genutzt wird, an Sonn- und Feiertagen sogar mit einer alten Dampflock.

Die Bahnstrecke wurde um 1900 erschlossen und diente der Beförderung des im Brohltal abgebauten Gesteins. Als der Bahn 1987 die Stilllegung drohte, fanden sich rund 100 Eisenbahnbegeisterte zusammen, um den Fortbestand dieses in Rheinland-Pfalz einmaligen Verkehrsmittels zu sichern. Die ganze interessante Geschichte der Bahn kann man auf ihrer Website erforschen.

Wir lösen unsere Fahrkarten – noch richtige alte Pappkarten wie früher, verladen unsere Räder in den eigens dafür vorgesehen Waggon und suchen uns ein passendes Abteil. Kurz wird rangiert und heute die Diesel-Lok vorgespannt, dann geht es auch schon los, in gemütlichem Tempo mit herrlichen Ausblicken bergauf durch das schöne Brohltal.

Der launige Schaffner geht mit seinem Wägelchen durch die Personenwagen und offeriert: „Kaffee, Wasser, Bier und Schnaps!“ (einen Eifelbrand, von dem er behauptet, dass man ihn auch gut zum Einreiben nutzten könne). Neben allerhand lustigen Geschichten, erzählt er auch darüber, wie die Bahn heute noch im Güterverkehr genutzt wird und sich darüber finanzieren kann. Und die Fahrkarten kontrolliert und knipst er auch.

In Niederzissen legen wir einen kurzen Stopp ein. Wer möchte, kann im Bahnhof die Toilette benutzen, aber ein Einkauf im nahegelegenen Supermarkt ist strengstens verboten, denn bald geht es weiter nach Engeln, wo schon eine beachtliche Anzahl Fahrgäste auf den Rücktransport wartet.

Fahrräder ausladen, Kleidung richten, Helme auf und los geht‘s Richtung Gänsehals. Der Gänsehals ist ein 575 m hoher Berg bei Bell. Auf ihm gibt es in Gipfelnähe den 1889/90 erbauten (alten) Aussichtsturm sowie den auf etwa 570 m Höhe stehenden 1976 erbauten, 74 m hohen (neuen) Richtfunkturm, der auch als Aussichtsturm dient.

Bei letzterem legen wir eine Pause ein. Einige von uns lassen es sich nicht nehmen, die sich auf ca. 25 m Turmhöhe befindliche Aussichtsplattform zu erklimmen, um die beeindruckende Rundumsicht über die Eifellandschaft zu genießen.

Unser nächstes Ziel ist der Laacher See oder besser das berühmte Kloster Maria Laach. Den kleinen Ort Bell, der für seine Backofensteine bekannt sein soll, lassen wir bald hinter uns und gelangen zügig zur beeindruckenden Klosteranlage.

Die hochmittelalterliche Benediktiner Abtei Maria Laach wurde zwischen 1093 und 1216 als Stiftung Heinrichs II. von Laach und seiner Frau Adelheid erbaut. Seine sechstürmige Klosterkirche gilt als eines der schönsten Denkmäler der romanischen Baukunst in Deutschland.

Im Jahre 1933 fand der, von den Nationalsozialisten seines Amtes als Kölner Oberbürgermeister enthobene, spätere deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer für ein Jahr Zuflucht im Kloster, das damals von seinem Schulfreund geleitet wurde.

Zum Besitz der Abtei gehört eine große Anzahl von Wirtschaftsbetrieben. So wird ein Biobauernhof mit Hofladen, das renommierte Seehotel, eine große Gärtnerei mit Obstgarten, ein Buch- und Kunstverlag sowie eine Buch- und Kunsthandlung, eine Bildhauerwerkstatt, eine Kunstschmiede betrieben. Mit LACENSIA wurde 2015 eine eigene Marke geschaffen, die Keramikarbeiten aus eigener Manufaktur, Textilprodukte aus der Klosterschneiderei sowie Produkte aus der Klosterküche umfasst. Ferner existiert eine Schreinerei mit einem auf Einzelstücke konzentrierten Sortiment. Die eigene Glockengießerei wurde 2016 geschlossen.

Wir verweilen beim Kloster etwa eine halbe Stunde, in der sich wer möchte in wenig umsehen kann. Von einer Einkehr im großen Kloster-Restaurant sehen wir ab, ebenso von einem Besuch des Sees, denn jede und jeder von uns war schon häufiger dort.

Statt dessen machen wir uns auf zur Vulkan-Brauerei nach Mendig. Auch wenn inzwischen fast Nachmittag ist, machen wir hier eine ausgiebige Mittagsrast, lassen uns kulinarisch verwöhnen und führen viele schöne Gespräche.

Die Brauerei ist ganz in der Nähe des Lava-Domes, des Deutschen Vulkanmuseums Mendig. Er ist eine zentrale Einrichtung des Vulkanparks und absolut sehenswert. Heute aber geht es uns ja ums Radfahren.

Satt und zufrieden machen wir uns an das letzte Stück unserer Tour. Die Strecke kennen wir schon von unserer Tour über die Basalt-Schleife. Bergab geht es zunächst entlang der A61, dann durch Kruft, Plaidt und Miesenheim zurück nach Weißenthurm.

Am Ausgangspunkt an der Rheinpromenade nehmen wir Abschied für dieses Jahr. Wir sind uns einig, dass dies ein tolles Erlebnis war, und dass wir auch im kommenden Jahr wieder gemeinsame Touren unternehmen wollen – vielleicht sogar etwas ausgedehntere als in dieser ersten gemeinsamen Saison.

Wir wünschen allen eine gute Zeit, weiterhin viel Freude am Radfahren und vor allem Gesundheit und freuen uns schon auf das nächste Frühjahr, wenn es wieder losgeht.