Über Roberts Geburtstag wollen wir noch ein paar Tage Urlaub machen und finden ein Schnäppchenangebot der enjoy-Hotelkette ganz in der Nähe seiner alten Heimat Trier: das Hotel „Eifeler Hof“ in Kyllburg. Am Flüsschen Kyll hat Robert einst schwimmen gelernt und seine Geburtsstadt Trier ist nicht weit entfernt.


Der „Eifeler Hof“ war einst das größte und luxuriöseste Hotel der Eifel, ist aber ziemlich in die Jahre gekommen. 1890 als bescheidenes Gasthaus eröffnet, wuchs es 1911 zu einer 130-Betten-Burg an und wurde sogar von Kaiser Wilhelm II besucht. Wenn man sich im Gebäude umschaut, fühlt man sich ein wenig in diese Zeit zurückversetzt.




Nach bewegter Geschichte wurde das Hotel im Frühjahr 2026 von der niederländischen Hotelkette übernommen. Zwar gibt es noch viel zu tun, und es wird seinen alten Luxus sicher nie wieder erreichen, aber das Full-Service-Angebot ist akzeptabel.
Auch Kyllburg, die zweitkleinste Stadt in Rheinland-Pfalz, kann auf eine bewegte Geschichte zurückschauen. Auch wenn es ebenso in die Jahre gekommen ist wie das einstige Grandhotel, darf sich das im engen Kylltal liegende Örtchen Luftkurort nennen. Neben Stiftskirche, Burg und Mariensäule kann es mit einer Reihe von Kulturdenkmälern aufwarten. Verschiedene Initiativen versuchen seit einer Weile, den Ort wieder zu beleben und gegen den Leerstand der Geschäfte anzukämpfen.

Die „Kunstroute Kyllburg“ ist eine solche Initiative von Künstlern der Umgebung. Sie findet in diesem Jahr zum 6. Mal statt und zeigt auf einer ca. 3 km langen Route Kunstwerke und Installationen. Das Projekt erinnert uns stark an den Darmstädter Waldkunstpfad.
Der Kyll-Radweg oder Kyllta-Radweg verspricht uns schöne Touren durch ein idyllisches Flusstal. Kyllburg liegt in etwa in seiner Mitte, so dass man entweder flussabwärts Richtung Trier oder flussaufwärts Richtung Gerolstein fahren kann. Wir freuen uns auf entspanntes Radeln durch die herbstliche Natur.
Was wir bei unserer Planung nicht wissen: der Radweg ist aufgrund diverser Bauarbeiten etliche Male gesperrt und zwingt uns immer wieder auf weiträumige Umleitungen, die uns ziemliche Höhenmeter abverlangen und uns meist über Straßen vom idyllischen Flusstal wegführen. Allerdings werden wir dafür mit atemberaubenden Aussichten belohnt, das soll nicht verschwiegen werden.
06.10.2026 – Von Kyllburg nach Gerolstein
Nach ausgiebigem Frühstücksbuffet machen wir uns auf den Weg. Statt des Mittagessens, das unser Full-Service-Arrangement vorsieht, dürfen wir uns ein Lunchpaket zusammenstellen. Wir belassen es bei belegten Brötchen, denn wir sind nicht so die Mittagessen und sind ohnehin zum Kaffee zurück.
Auch wenn es recht kühl ist, ist für heute gutes Wetter angesagt. Unser Ziel: Gerolstein. Gleich am Bahnhof Kyllburg müssen wir feststellen, dass der Radweg gesperrt ist – man möge der Umleitung folgen, die hier im Moment gar nicht ersichtlich ist. Aber wir finden sie bald. Ingrids Begeisterung kennt kaum Grenzen, denn es geht erst einmal die Landesstraße steil hinauf – und das am frühen Morgen…
…und gleich wieder bergab nach Sankt Thomas mit dem gleichnamigen Kloster, das Namensgeber für den Ort war. Das ehemalige Zisterzienserinnen-Kloster dient heute dem Bistum Trier als Bildungsstätte. Das Frauenkloster wurde 1170 gegründet und im Zuge der Säkularisation 1902 aufgehoben.

Erfreulicherweise geht es nun in sanften Wellen den Kyll-Radweg und der Bahnlinie entlang, wobei wir mehrfach den Fluß überqueren. Die Wegbeschaffenheit ist gut, so dass wir schon bald das Örtchen Mürlenbach erreichen. Eine Reihe römischer und mittelalterlicher Funde lassen darauf schließen, dass der Ort schon früh eine gewisse Bedeutung hatte.

Auf einem Felssporn hoch über den Ort prangt die Bertradaburg. Sie wurde vermutlich auf den Resten eines römischen Kastells errichtet. Nach örtlicher Überlieferung soll Bertrada, die Mutter Karls des Großen, hier gelebt haben, und es ist nicht auszuschließen, dass dieser hier zur Welt kam.


Weiter führt uns unser Weg nach Birresborn und ein Stück weiter auf der gegenüberliegenden Straßenseite an die Lindenquelle. Sie wurde seit 1748 gewerblich genutzt. 2009 wurde ihr Quellpavillon restauriert und steht seither unter Denkmalschutz.

Wir erreichen unser Ziel Gerolstein. Hier herrscht ein ziemliches Verkehrsgewusel mit Baustellen, so dass wir uns erst einmal orientieren müssen. Wir „flüchten“ für unsere Mittagsrast in den schönen Kurpark, verzehren unser Lunchpaket und machen ein paar Fotos. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf eine steil aufragende Felswand der Gerolsteiner Dolomiten.

Dann wird es Zeit für den Rückweg. Wir wollen das schöne Wetter nutzen, um noch einmal auf der Hotelterrasse Kaffee zu trinken und ein Stück Kuchen zu genießen.
07.10.2026 – Von Kyllburg nach Trier
Zwar soll es am späteren Nachmittag regnen, doch im Moment sieht das Wetter recht vielversprechend aus. So lassen wir uns auch heute nicht davon abbringen, uns noch einmal auf die Räder zu schwingen. Wir wollen Richtung Trier und später mit der Bahn zurückfahren.
Unangenehmerweise müssen wir aufgrund der Umleitung erst einmal die K87 hinauf. Wenn unser Start gestern anstrengend war, dann bekommen wir heute noch eins drauf. Wie uns Komoot im Nachhinein verrät, betrug die Steigung stellenweise 10 und 11 %. Auch heute ist es kalt, und Ingrids Muskeln zicken trotz Turbo-Modus. Kurz davor, das Handtuch zu werfen, schafft sie es dann aber doch bis oben.


Zur Belohnung erwarten uns ein toller Ausblick auf Stiftsberg und Stiftskirche sowie zwei hölzerne Ruheliegen. Leider sind sie nass und heute nur optisch einladend.
Rasant geht es bergab Richtung Erdorf. Hier verlassen wir die Kreisstraße und sind endlich auf dem Kyll-Radweg. In moderaten Wellen und den Bögen des Flusses folgend gelangen wir nach Hüttingen. Das Örtchen ist von steilen bewaldeten Hängen umgeben. Auch hier lassen Funde aus römischer Zeit auf eine frühe Besiedelung des Areals schließen.

Wir genießen die Fahrt auf schöner und idyllischer Strecke. Bei Philippsheim müssen wir allerdings den Kylltal-Radweg wieder verlassen und auf den Radweg Philippsheim-Binsfeld ausweichen. Wieder müssen wir ein Stück bergauf, werden aber immer wieder auch mit herrlichen Ausblicken belohnt.
In dieser Idylle lassen uns eine ganze Reihe von Jagdfliegern aufschrecken, die über uns hinweg rasen. Wir sind in unmittelbarer Nähe von Spangdahlem und der US Air Base. Ein bisschen mulmig kann einem dabei schon werden…
Noch immer auf der Umleitungsstrecke, gelangen wir in großem Bogen in die Töpferstadt Speicher. Die Keramik- und Handwerkstradition reicht hier ebenfalls bis in die Römerzeit zurück. Wegen großer Tonvorkommen entstand hier bereits im späten 1. Jahrhundert n. Chr. eine bedeutende Töpferindustrie.
Atemberaubende Ausblicke begleiten uns auf welligem Gelände. Dann, kurz vor Preist, geht es rasant und kurvig bergab, teilweise mit einem Gefälle von bis zu 25 % – auch dabei kann einem ein bisschen mulmig werden.
Bei Auw ist dann erst einmal der tiefste Punkt erreicht. Endlich dürfen wir auch wieder auf den Kylltal-Radweg, den wir erst an seinem Ende in Trier-Ehrang wieder verlassen.


Mit all Ihren Windungen im tief eingeschnittenen Tal ist dieser Streckenabschnitt ziemlich beeindruckend. Hinter Auw, beim Örtchen Kyll führt uns unser Radweg sogar durch einen 138 m langen Tunnel.
Der Kyller Tunnel wurde zwischen 1867 und 1871 von der Rheinischen Eisenbahngesellschaft erbaut, im 2. Weltkrieg aber zerstört und später wieder aufgebaut. Erfreulicherweise ist er, im Gegensatz zu diversen anderen Tunneln auf dieser Strecke, breit genug für den neben den Schienen herlaufenden und durch einen Zaun abgetrennten Radweg. Wir sind ganz froh, dass wir nicht schon wieder bergauf müssen.
Noch knappe 10 km und wir haben Kordel erreicht. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes geht auf das Jahr 1023 zurück.



Wie wir erfahren, hatte auch Kordel 2021 unter der gewaltigen Flutkatastrophe zu leiden. Sogar die New York Times berichtete mit dem Foto eines in den Fluten stehenden Zuges darüber.
Ein Stück hinter Kordel mündet der Butzerbach in die Kyll. Hier grüßt uns von oben erst die Mariengrotte, dann die Ruine der Burg Ramstein. Robert schwelgt in Erinnerungen, denn hier hat er als Kind gemeinsam mit Vater und Geschwistern etliche Sommerferien verbracht.


Die Ruine der Höhenburg steht auf einem 182 m hohen Buntsandsteinfelsen. Sie wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts als Nachfolgebau eines befestigten Gutshofes erbaut. Heute befindet sich an ihrem Fuße ein Hotel gleichen Namens.
Nicht weit entfernt befinden sich einige Sehenswürdigkeiten, die man besser erwandert oder vielleicht per Mountainbike erkunden kann. So sind das wildromantische Butzerbachtchtal mit seinen Wasserfällen, das römische Kupferbergwerk „Putzlöcher“ oder diverse Höhlen, wie die sagenumwobene Genovevahöhle, einen Ausflug wert.
Wir aber fahren weiter durch das hier wirklich idyllische Kylltal. Weit ist es nicht mehr bis zu unserem Ziel Ehrang. Hier mündet die Kyll in die Mosel und wir begegnen dem Mosel-Radweg sowie dem Radweg Saar-Mosel-Main (D5).


Wir fahren noch ein Stück bis zum Bahnhof Trier Hafenstraße und fahren mit der Bahn zurück nach Kyllburg. Ein paar hundert Meter den Berg hinauf und wir sind trockenen Fußes oder trockenen Rades wieder beim „Eifeler Hof“ angelangt – rechtzeitig für Kaffee und Kuchen.
08.10.2026 – Noch einmal mit dem Auto nach Trier
Roberts Geburtstag. Es regnet und es lockt uns nicht auf die Räder. Wir beschließen, mit dem Auto nach Trier zu fahren – Roberts Geburtsstadt. Wenn es zu sehr regnet, könnten wir den Tag im Trierer Landesmuseum verbringen.
Das Rheinische Landesmuseum in Trier ist eines der bedeutendsten und größten archäologischen Museen Deutschlands. Sein Schwerpunkt ist die römische Vergangenheit von „Augusta Treverorum“, dem heutigen Trier. Hier gibt es immer etwas zu entdecken.Doch dazu kommt es nicht. Der Wettergott ist uns auch heute hold.
Ehe wir uns auf dem Weg nach Trier machen, statten wir der Kyllburger Stiftskirche noch einen Besuch ab. Die ehemalige Stiftskirche ist heute katholische Pfarrkirche. Sie wurde Ende des 13./Anfang des 14. Jahrhunderts im gotischen Stil errichtet.



Das Innenleben der Kirche ist durchaus beeindruckend, wobei das neue moderne Marienbild einen interessanten Kontrast darstellt.



Das ehemalige Stiftshaus, eine Schenkung des Apothekers Friedrich Wilhelm Hess an die Kirchengemeinde, beherbergt heute die Katholische Landvolkhochschule des Bistums Trier.


In Trier machen einen ausgedehnten Bummel durch die Altstadt, doch zuerst statten wir Roberts Geburtshaus in der Waldstraße einen Besuch ab.


In der Grünanlage am Südring werden wir auf recht interessante Totholzhabitate aufmerksam. Hier wurden Reste von Bäumen, die offenbar gefällt werden mussten, nicht geschreddert, sondern zu einer Art Skulpturen aufgetürmt. Eine gute Idee, wie wir finden, um mehr oder weniger mitten im Straßenverkehr Lebensräume zu schaffen.




Wir spazieren am Kurfürstlichen Palais mit seinem wunderschönen Park vorbei zur immer wieder beeindruckende Konstantin Basilika, genießen am Fuße des Doms unser mitgebrachtes Lunchpaket und schlendern gemütlich durch die Fußgängerzone.



Zum ersten Mal schauen wir uns auf dem Simeonstiftplatz die riesige (nicht unumstrittene) Karl-Marx-Statue an. Sie ist ein Geschenk der Volksrepublik China zu Marx‘ 200. Geburtstag an seine Geburtsstadt Trier.

Überall ist viel Betrieb, und es kommt uns vor, als habe der Tourismus in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Ein kurzer Blick noch auf die berühmte Porta Nigra. Sie wird gerade aufwändig saniert und ist deshalb eingerüstet. Die Arbeiten sollen noch bis 2027 dauern.
Wir haben genug vom Trubel, machen wir uns wieder auf den Weg zu unserem Auto und zurück nach Kyllburg.
